Geschichte der Stadt Wurzen

Das bereits vor 6.000 Jahren bewohnte Land um die heutige Stadt Wurzen gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten des Freistaates Sachsen. Die 961 erstmals urkundlich erwähnte Ortschaft „Vurcine" blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seit jeher haben Krieg und Frieden, Armut und Wohlstand die Stadt Wurzen und ihre Bürger begleitet. Die folgenden wichtigen Stichpunkte sollen Ihnen den Werdegang der Stadt näher bringen.

Um 1200
Die Rechtsstadt entsteht zwischen den Siedlungskernen Burg mit Vorburg (westlich des Marktes), der Dienstmannensiedlung im Rietzschketal und der Kaufmannssiedlung „Altstadt". Wurzen erhält Magdeburger Stadtrecht, Ringmauer und Graben sowie vier Stadttore.

Um 1400 hat sich bereits eine  rege handwerkliche und gewerbliche Tätigkeit ausgeprägt. Dazu gehören u. a. Brauerei, Müllerei und das Bauhandwerk

1481 erlangt der Rat der Stadt die obere und niedere Gerichtsbarkeit pachtweise vom Bischof, 1579 erwirbt er sie durch Kauf.

1487 verlegt Bischof und Reichsfürst Johann VI (von Salhausen) seine Residenz nach Wurzen. Von da an erlebt Wurzen einen erneuten Aufschwung. Verschiedene große Bauvorhaben werden beschlossen und durchgeführt, dazu gehören das Schloss und das Kornhaus. Wirtschaft und Verkehr, darunter Landwirtschaft, Fischerei, Leineweberei, Bleicherei, Müllerei und Bierbrauerei expandieren stark.

Dom St. Marien

1539 beginnt in Wurzen die Reformation. Damit verbunden verbessert sich u.a. das städtische Schulwesen.

1607 hatte Wurzen die schwerste Pestwelle zu überstehen. Durch die von Leipzig eingeschleppte Krankheit sterben von Mai bis Oktober dieses Jahres 1450 der 5000 Einwohner. Daran erinnert noch heute das Pesthäuschen auf dem alten Friedhof. Weitere große Pestjahre der Stadt waren: 1519, 1577, 1598, 1599, 1610, 1626 und letztmalig 1680.

Pesthäuschen

30 Jahre später bekam die Stadt einen erneuten großen Rückschlag. Im April 1637 wird Wurzen nach monatelangen Erpressungen und trotz Zahlung hoher Freikaufsummen von schwedischen Abteilungen geplündert und in Brand gesetzt. Wurzen und somit auch das gesamte städtische Archivmaterial brennt fast vollständig nieder. 3500 Einwohner werden Opfer dieses Greuels. 1500 Personen gelingt die Flucht, aber nur 500 kehren zurück.

1768  durchquerte Goethe die Stadt, auf seiner Reise von Leipzig nach Dresden. Das Warten an der Fähre dürfte ihn zu der Textstelle im „Urfaust" veranlasst haben: „Bey Wurzen ist´s fatal, da muss man so lang auf die Fähre manchmal warten"

1813 nahm Napoleon mit dem 3. Armeekorps in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober Quartier in Wurzen auf. Am späten Nachmittag des 16. Oktober erstürmten Kosaken die Stadt und beendeten damit die Fremdherrschaft Napoleons.

Wurzen musste 133783 Taler 24 Groschen und 9 Pfennige an Kriegslasten tragen, was die Stadt in tiefe Schulden stürzte, deren Tilgung Jahrzehnte in Anspruch nahm.

1838 wurde das Teilstück Leipzig-Wurzen der ersten deutschen Ferneisenbahnlinie fertiggestellt. Die Fertigstellung der gesamten Linie erfolgte 1939 und wurde mit der Einweihung am 7. April des Jahres abgeschlossen.

1870/71 fallen beim Deutsch-Französischen Krieg 11 Wurzener in Frankreich, woran der Obelisk auf dem Wettiner Platz erinnert.

1880 lässt Georg Juel, Besitzer der Teppichfabrik, am nördlichen Stadtrand einen Park anlegen, welcher später noch weiter ausgedehnt wird.

1908 wird aus dem Erlös einer Lotterie der Aussichtsturm auf dem Wachtelberg errichtet.

Bismarkturm auf dem Wachtelberg

1911 leben bereits 18500 Einwohner in Wurzen. Das von 1909 bis 1911 erbaute neue Stadtkrankenhaus wird eingeweiht. In diesem geschichtsträchtigen Jahr zieht durch den Bau der Umformerstation Elektrizität in Wurzen ein, außerdem wird der Wachtelberg als erstes sächsisches Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt.

1929 bis 1930 entsteht aus Mitteln der Hermann-Illgen-Stiftung das Mahnmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges, auf dem alten Friedhof.

1939 bis 1945 erleidet auch Wurzen Verluste. Dem 2. Weltkrieg fallen 650 Personen zum Opfer. Bombenangriffe erschüttern  zwischen 1943 und 1945 mehrmals die Stadt. Die Stadt wird am 24.04.1945 kampflos an die Amerikaner übergeben, so dass sich auch dadurch die Kriegsschäden relativ gering halten.

Nach dem 2. Weltkrieg beginnt der allmähliche Wiederaufbau und Neubau der Stadt. Neue Wohnungen (ab 1950), eine neue Straßenbrücke über die Mulde (1954 Einweihung) und eine neue Eisenbahnbrücke (1967-1969) werden errichtet. Außerdem wird der Alte Friedhof nach dem Abriss der Heiliggeistkirche in eine Parkanlage umgewandelt (1976).

1983 wird zu Ehren des in Wurzen geborenen Joachim Ringelnatz das 1678 erbaute und jetzt sanierte Geburtshaus als Ringelnatz-Gedenkstätte übergeben und ein Marktbrunnen mit einer Figur, die den Dichter zeigt eingeweiht.

Ringelnatzbrunnen

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt es wieder Rückschläge für die Stadt, da viele Betriebe geschlossen werden. Jedoch gibt es auch positive Entwicklungen, wie der Neubau und die Sanierung von Schulen, verschiedenen Wohn- und Geschäftshäusern, der neuen Spiel- und Sporthalle in der Püttnerstraße sowie Altenpflegeheimen. Ebenso werden neue Gewerbegebiete erschlossen, das neue Freizeit- und Erlebnisbad „Dreibrücken" eingeweiht und die Schwimmhalle saniert. Des Weiteren entstehen eine neue Feuerwache, die neue Polizeistation, ein Parkhaus und der Stadtwald.

Noch vor dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002 wird 2001 die neue Eisenbahnbrücke fertig gestellt, die den Wassermassen Stand hält. Die ältere Straßenbrücke hingegen, verlor einen Mittelpfeiler, wodurch ein Neubau nötig wurde.

Viele Neuerungen wurden auch in den Folgejahren in Angriff genommen und zum Teil bereits abgeschlossen. 

Eine erweiterte Dokumentation zur Geschichte der Stadt Wurzen finden Sie unter www.wurzen.de.